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Alkohol: PD Dr. med. F. Stickel
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Alkohol ist ein Genussmittel, aber auch Ursache zahlreicher Krankheiten

Alkoholkonsum gehört als Genussmittel zu unserem Kulturkreis. Gleichzeitig ist Alkohol aber auch der am weitesten verbreitete Suchtstoff und fordert durch seine Toxizität jährlich mehr Opfer als alle anderen Rauchgifte zusammen.
Wenn Alkohol über längere Zeit in grösseren Mengen konsumiert wird, können schwere Leberschäden wie Alkoholhepatitis, alkoholische Leberzirrhose und alkoholbedingtes Leberzellkarzinom auftreten. Derzeit gelten gemäss WHO 20g/Tag bei Frauen und 40g/Tag bei Männern als Grenzwerte für riskanten Alkoholkonsum. Alkohol kann aber auch die Entstehung zahlreicher anderer Erkrankungen wie Bauchspeicheldrüsenentzündung und manche Krebserkrankungen begünstigen. Die verantwortlichen Mechanismen sind teilweise bekannt, teilweise Gegenstand intensiver Forschung. Ein bisher ungeklärtes Phänomen ist der Umstand, dass bei weitem nicht alle Personen, die Alkohol in übermässigem Masse konsumieren, alkoholbedingte Organerkrankungen entwickeln. Neben protektiven Faktoren in der Lebensweise dieser Personen wie Ernährung, Gewichtsregulation und Vermeidung anderer leberschädigender Faktoren, scheinen auch Erbfaktoren, d.h. genetische Einflüsse bei der Entstehung bzw. Vermeidung von alkoholassoziierten Organschäden eine wichtige Rolle zu spielen. Diese sind jedoch bisher noch weitgehend unbekannt, mit der Ausnahme, dass man davon ausgehen muss, dass der genetische Faktor „weibliches Geschlecht“ alkoholische Organschäden begünstigt.
Übermässiger Alkoholkonsum beeinflusst den Stoffwechsel zahlreicher Vitamine, Spurenelemente und Eiweisse tiefgreifend und bedingt dadurch Mangelzustände, und alkoholische Endorganschäden. Daher sind Erkenntnisse über die Wechselwirkungen für die Entwicklung entsprechender Therapien von zentraler Bedeutung.

Wir befassen uns daher mit folgenden Schwerpunkten alkoholbedingter Erkrankungen:

  • Identifizierung genetischer Risikofaktoren für die Entwicklung alkoholischer Organerkrankungen, insbesondere alkoholbedingter Leberschäden.
  • Untersuchung von Wechselwirkungen zwischen Alkohol, seinem ersten toxischen Metaboliten Azetaldehyd und Ernährungsfaktoren.
  • Klärung der Zusammenhänge zwischen chronischem Alkoholkonsum und der Entstehung bestimmter Tumorarten mit dem Ziel der Entwicklung einer Präventionsstrategie.

Genetisches Risiko
Alkoholische Organerkrankungen entstehen polygen, d.h. zahlreiche Gene sind an ihrer Entstehung beteiligt. Manche Gene können variabel sein und werden dann als polymorph bezeichnet. Sie können eine veränderte Genfunktion aufweisen, die zu Unterschieden in der Ausprägung bestimmter Merkmale (Phänotyp) führen. Das kann dazuführen, dass Träger einer bestimmten Genvariante (Polymorphismus) gegenüber krankheitsauslösenden Faktoren anfälliger sind als andere Personen, wie z.B. gegenüber der schädigenden Wirkung von Alkohol. Die Genpolymorphismen sind seit einiger Zeit nachweisbar und lassen sich sowohl mit alkohobedingten Erkrankungen assoziieren als auch bezüglich ihrer funktionellen Veränderung untersuchen. Die Identifikation dieser genetischen Faktoren ist wichtig, da man so Risikopersonen erkennen kann und eine entsprechend abgestimmte Therapie ermöglichen könnte. Wir untersuchen sowohl die Häufigkeit als auch die veränderte Funktion von Genpolymorphismen als mögliche Modulatoren alkoholbedingter Organschäden zu klären.

Genotypisierung für Polymorphismen des Alkohol-Dehydrogenase Gens (ADH1C) durch Polymerasekettenreaktion und Resriktionsfragmentlängenpolymorphismus


Alkohol und Ernährung
Alkohol ist energiereich und enthält fast soviele Kalorien wie Fett und mehr als Kohlenhydrate. Trotzdem sind schwere Trinker meist mangelernährt was viele Ursachen hat. Die Mechanismen durch die Alkohol zu einer Mangelernährung führt sind Gegenstand von Untersuchungen und uns interessieren v.a. die Wechselwirkungen zwischen Alkohol/Azetaldehyd und Vitamin A bzw. Folsäure, da beide Vitamine bei der Entstehung von Leber- und Tumorerkrankungen eine wichtige Regulatorfunktion ausüben.


Alkohol und Krebs
Alkohol verursacht oder begünstigt die Entstehung von Krebsen des oberen Mundrachenraumes, der Speiseröhre, der Leber, des Dickdarmes und der weiblichen Brustdrüse. So kann die alkoholbedingte Leberzirrhose als eine sogenannte Präkanzerose für das Leberzellkarzinom angesehen werden, welches ohne Zirrhose nur äusserst selten entsteht. Auch hierbei spielen viele Faktoren, u.a. genetische, nutritive und lokale Faktoren eine wichtige Rolle, die nur inkomplett bekannt sind. Da diese Faktoren theoretisch auch wirksam sind, wenn Alkohol nur in kleineren, allgemein als unbedenklich erachteten Mengen konsumiert wird, hat die Kenntnis der zugrunde liegenden Mechanismen erhebliche epidemiologische Bedeutung.

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