Alkohol ist ein
Genussmittel, aber auch Ursache zahlreicher Krankheiten
Alkoholkonsum gehört als Genussmittel zu unserem
Kulturkreis. Gleichzeitig ist Alkohol aber auch der
am weitesten verbreitete Suchtstoff und fordert durch
seine Toxizität jährlich mehr Opfer als
alle anderen Rauchgifte zusammen.
Wenn Alkohol über längere Zeit in grösseren
Mengen konsumiert wird, können schwere Leberschäden
wie Alkoholhepatitis, alkoholische Leberzirrhose und
alkoholbedingtes Leberzellkarzinom auftreten. Derzeit
gelten gemäss WHO 20g/Tag bei Frauen und 40g/Tag
bei Männern als Grenzwerte für riskanten
Alkoholkonsum. Alkohol kann aber auch die Entstehung
zahlreicher anderer Erkrankungen wie Bauchspeicheldrüsenentzündung
und manche Krebserkrankungen begünstigen. Die
verantwortlichen Mechanismen sind teilweise bekannt,
teilweise Gegenstand intensiver Forschung. Ein bisher
ungeklärtes Phänomen ist der Umstand, dass
bei weitem nicht alle Personen, die Alkohol in übermässigem
Masse konsumieren, alkoholbedingte Organerkrankungen
entwickeln. Neben protektiven Faktoren in der Lebensweise
dieser Personen wie Ernährung, Gewichtsregulation
und Vermeidung anderer leberschädigender Faktoren,
scheinen auch Erbfaktoren, d.h. genetische Einflüsse
bei der Entstehung bzw. Vermeidung von alkoholassoziierten
Organschäden eine wichtige Rolle zu spielen.
Diese sind jedoch bisher noch weitgehend unbekannt,
mit der Ausnahme, dass man davon ausgehen muss, dass
der genetische Faktor „weibliches Geschlecht“
alkoholische Organschäden begünstigt.
Übermässiger Alkoholkonsum beeinflusst den
Stoffwechsel zahlreicher Vitamine, Spurenelemente
und Eiweisse tiefgreifend und bedingt dadurch Mangelzustände,
und alkoholische Endorganschäden. Daher sind
Erkenntnisse über die Wechselwirkungen für
die Entwicklung entsprechender Therapien von zentraler
Bedeutung.

Wir befassen uns daher mit
folgenden Schwerpunkten alkoholbedingter Erkrankungen:
- Identifizierung genetischer Risikofaktoren
für die Entwicklung alkoholischer Organerkrankungen,
insbesondere alkoholbedingter Leberschäden.
- Untersuchung von Wechselwirkungen
zwischen Alkohol, seinem ersten toxischen Metaboliten
Azetaldehyd und Ernährungsfaktoren.
- Klärung der Zusammenhänge
zwischen chronischem Alkoholkonsum und der Entstehung
bestimmter Tumorarten mit dem Ziel der Entwicklung
einer Präventionsstrategie.
Genetisches Risiko
Alkoholische Organerkrankungen entstehen polygen,
d.h. zahlreiche Gene sind an ihrer Entstehung beteiligt.
Manche Gene können variabel sein und werden dann
als polymorph bezeichnet. Sie können eine veränderte
Genfunktion aufweisen, die zu Unterschieden in der
Ausprägung bestimmter Merkmale (Phänotyp)
führen. Das kann dazuführen, dass Träger
einer bestimmten Genvariante (Polymorphismus) gegenüber
krankheitsauslösenden Faktoren anfälliger
sind als andere Personen, wie z.B. gegenüber
der schädigenden Wirkung von Alkohol. Die Genpolymorphismen
sind seit einiger Zeit nachweisbar und lassen sich
sowohl mit alkohobedingten Erkrankungen assoziieren
als auch bezüglich ihrer funktionellen Veränderung
untersuchen. Die Identifikation dieser genetischen
Faktoren ist wichtig, da man so Risikopersonen erkennen
kann und eine entsprechend abgestimmte Therapie ermöglichen
könnte. Wir untersuchen sowohl die Häufigkeit
als auch die veränderte Funktion von Genpolymorphismen
als mögliche Modulatoren alkoholbedingter Organschäden
zu klären.
Genotypisierung für
Polymorphismen des Alkohol-Dehydrogenase Gens (ADH1C)
durch Polymerasekettenreaktion und Resriktionsfragmentlängenpolymorphismus

Alkohol und Ernährung
Alkohol ist energiereich und enthält fast soviele
Kalorien wie Fett und mehr als Kohlenhydrate. Trotzdem
sind schwere Trinker meist mangelernährt was
viele Ursachen hat. Die Mechanismen durch die Alkohol
zu einer Mangelernährung führt sind Gegenstand
von Untersuchungen und uns interessieren v.a. die
Wechselwirkungen zwischen Alkohol/Azetaldehyd und
Vitamin A bzw. Folsäure, da beide Vitamine bei
der Entstehung von Leber- und Tumorerkrankungen eine
wichtige Regulatorfunktion ausüben.
Alkohol und Krebs
Alkohol verursacht oder begünstigt die Entstehung
von Krebsen des oberen Mundrachenraumes, der Speiseröhre,
der Leber, des Dickdarmes und der weiblichen Brustdrüse.
So kann die alkoholbedingte Leberzirrhose als eine
sogenannte Präkanzerose für das Leberzellkarzinom
angesehen werden, welches ohne Zirrhose nur äusserst
selten entsteht. Auch hierbei spielen viele Faktoren,
u.a. genetische, nutritive und lokale Faktoren eine
wichtige Rolle, die nur inkomplett bekannt sind. Da
diese Faktoren theoretisch auch wirksam sind, wenn
Alkohol nur in kleineren, allgemein als unbedenklich
erachteten Mengen konsumiert wird, hat die Kenntnis
der zugrunde liegenden Mechanismen erhebliche epidemiologische
Bedeutung.
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