Stiftung für Leberkrankheiten

Tätigkeitsbericht 2006
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Die Stiftung für Leberkrankheiten hat im Jahr 2006 ihre Tätigkeiten ausgeweitet und ist für die Hepatologie am Inselspital und das Institut für klinische Pharmakologie der Universität ein wesentliches Finanzierungsinstrument geworden. Analog zu den dreifachen Aufträgen eines Universitätsinstituts (Forschung, Lehre und Dienstleistung) hat die Stiftung diese Aufträge unterstützt, wobei naturgemäss der Hauptschwerpunkt auf der Forschung, insbesondere im Bereich der Nachwuchsförderung, liegt.

Forschung

  • Die Stiftung hat seinerzeit eine NASH Studie von Prof. J.F. Dufour (SASL 11) unterstützt. Die Resultate sind unterdessen publiziert und werden als fact sheet # 1 einer weiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Diese Studie zeigt exemplarisch die wichtige Rolle der Leberstiftung: Zwei nicht mehr patentierbare Wirkstoffe (Ursodeoxycholat und Vitamin E) erzielten in Kombination eine wesentliche Verbesserung der Histologie. Für solche Studien sind weder Nationalfonds noch Industrie zu gewinnen (pdf der Studie).
  • Ein unrestricted educational grant der Firma Hoffmann-La Roche AG hat es uns ermöglicht, an 283 Patienten mit Hepatitis C so genannte nicht-invasive Fibrosemarker mit der Vernarbung in der Leberbiopsie zu vergleichen. Die Studie ist abgeschlossen und sollte Ende des Jahres publiziert werden.
  • Ein anderer unrestricted educational grant der Firma Essex AG hat es uns erlaubt, auf der Notfallstation des Inselspitals die Prävalenz von Hepatitis B, Hepatitis C, Kontakt mit Hepatitis B (anti-HBc), abnormalen Leberenzymen und erhöhter Transferrinsättigung an über 5'000 Patienten zu studieren. Die Arbeit ist als Dissertation einer früheren Preisig Stipendiatin (E. Dowlatshahi) in Freiburg i. Br. angenommen und publiziert worden (pdf der Studie).
  • Das Institut bleibt für die Teilnahme an internationalen Phase I bis III Studien an sich kompetitiv (laufende Studien am Institut). Diese positive Einschätzung (Einsatz der Pflege und der Ärzte) wird etwas temperiert durch das unterdessen unglaublich (über)reglementierte Umfeld in der Schweiz. Zwei Beispiele:
    Ein Protease-Inhibitor in der Behandlung der Hepatitis C konnte leider dank der ungsäglichen Bürokratie von Swissmedic nur einem von über 40 Patienten, die auf dieses Medikament warteten, abgegeben werden.
    PD Stickel hat eine interessante Studie aufgegleist, die mittels einer Optimierung der Ribavirindosierung die Erfolgsrate in der Behandlung der Hepatitis C Genotyp 1 von unbefriedigenden 45 % auf akzeptable 80 % erhöhen sollte. Initial wurde diese Studie durch eine andere, völlig überflüssige Instanz (Unitectra) aufgehalten – Swissmedic wird auch noch einen Monat oder zwei anfügen…
  • Prof. J.R. Idle – seit 4 Jahren Gastprofessor am Institut, hat zusammen mit Prof. Lauterburg einen NIH Grant eingeworben, der schwergewichtig am Institut bearbeitet wird. NIH Geld ausserhalb der U.S.A. ist eine Seltenheit.

Nachwuchsförderung:

  • Dr. Patsenker hat als post-doc bei PD Stickel wesentliche Impulse gegeben. Die Chancen stehen gut, dass sich diese Arbeitsgruppe am Institut etabliert.
  • C. Piguet, Doktorandin bei Prof. Dufour, wird dieses Jahr erfolgreich abschliessen; sie wird durch Institutsmittel 6 Monate bis zum Antritt ihres post-docs durch Institutsmittel unterstützt werden.
  • B. Jung und L. Idrissova haben ihre Doktorat bei den Herren Thormann und Reichen dank Stipendien der Stiftung begonnen.

Lehre

  • ie Schweizer Schule der Hepatologie (SSH) ist und war ein Erfolg. Eine zweite Auflage wird 2007 herausgegeben werden.
  • Das Modell der SSH wird 2008 in einer deutschen, englischen, französischen, italienischen und spanischen Ausgabe von der EASL (European Society for the Study of the Liver) herausgegeben werden. Als Herausgeber werden G. Dusheiko, P.J. Janssen, M.P. Manns, J. Reichen, M. Rizetto, J. Rodés und D. Valla fungieren. Das Projekt wird von J. Reichen geleitet. Royalties werden der Stiftung zu Gute kommen.
  • Der von der Stiftung mitfinanzierte Kupferkongress war ein internationaler Erfolg.
  • Der Standardtext für Hepatologie ist soeben in seiner dritten Auflage erschienen. J. Reichen ist Mit-Herausgeber, J.F. Dufour associate editor und wird JR nach dessen Rücktritt als Herausgeber nachfolgen.

Dienstleistung
Die Stiftung unterstützt an sich keine Dienstleistungen. Auf dem Gebiet der Diagnostik ergeben sich jedoch zunehmend Gelegenheiten, wo zukünftige Dienstleistungen im Rahmen von Forschungsprojekten evaluiert werden (Adipokine bei NASH, Apoptose-Marker bei Hepatitis C und NASH, neue Marker für das hepatozelluläre Karzinom). Wichtiger ist die Dienstleistung als Einnahmequelle:

  • Verschiedene Dozenten stellen ihre Einnahmen aus consultancies mit der Industrie der Stiftung zur Verfügung.
  • Einnahmen aus Beratung von ambulanten und stationären Privatpatienten werden der Stiftung zur Verfügung gestellt.

Gedanken zur Zukunft der Stiftung
In Zusammenarbeit mit Fruitcake – der PR Firma unserer Stiftungsrätin, Frau S. Bommeli, hat die Stiftung graphisch (web und Broschüre) einen modernen und ansprechenden Anstrich erhalten. Die Besucherzahl bleibt zwar bescheiden (~ 7/Tag) aber die Verweildauer ist ungewöhnlich lang (Durchschnitt 30 Minuten, Maximum 2 Stunden). Eine Übersetzung ins französische und ev. italienische sollte im nächsten Jahr an die Hand genommen werden.

Bern, den 30. Mai 2007

Prof. Dr. med. J. Reichen, Präsident des Stiftungsrates